Gewusst wie...
Vier Sekunden vergehen, bis der Leib eines Lebensmüden 67 Meter unter der Golden Gate Bridge aufschlägt. Eine Ewigkeit verstreicht, bis seine Seele ankommt, panisch ins Verderben stürzend oder im wüsten Todesrausch in ihre Erlösung. Lange genug, um den Sprung zu bereuen.
So bezeugen es einige der 26 Menschen, die seit Einweihung der Brücke 1937 den Aufprall aufs Wasser mit 120 Stundenkilometern überlebten. Sie beschreiben Zeitlupenwiederholungen unsäglichen Erschreckens. Nichts war unwiderruflich in seinem Leben, wurde einem der Verzweifelten klar, als er über das 1,20 Meter hohe Geländer flog. Nichts – außer diesem Sprung.
Mehr als 1250 Menschen sind seit ihrer Einweihung am 27. Mai 1937 der Verführung dieser Brücke erlegen: den schönsten, im Wortsinn atemberaubenden Augenblick vor dem Jenseits zu erleben. Die Zahl ist inoffiziell. Die Behörden hörten 1995, als der 1000. Springer drohte, auf zu zählen. Alle 15 Tage, so die Statistik, stürzt sich ein Mensch von der Golden Gate in die Tiefe. Kein anderer Ort der Welt, keine Brücke, kein Turm oder Krater, hat eine annähernd vergleichbare romantische Anziehungskraft für Selbstmörder entfaltet.
.oO( ^^)